GGS Seminar zum Thema Konfliktmanagement

An der German Graduate School of Management and Law gibt es für Studenten und Alumni die Möglichkeit, an einem General Context Programme kostenlos teilzunehmen, bei dem ganz grundsätzliche Themen rund um Management erläutert und diskutiert werden.
Diese Gelegenheit habe ich nun endlich ergriffen und an einem Seminar zum Thema Konfliktmanagement teilgenommen.

  • neu gelernt habe ich den Ausdruck „Management by Dezibel“, den kannte ich bisher nur aus persönlicher Erfahrung, nicht aber mit dieser Definition
  • Überraschende Verteilung der Bedeutung und Wirkung auf einen Gesprächspartner bei einem Mitarbeiter/Konfliktgespräch:
    1. 7% der Inhalt des Gesprächs
    2. 38% die Stimme/Sprache
    3. 55% Gestik/Mimik
  • Frauen geben im Schnitt 7000-8000 Wörter pro Tag von sich, Männer nur 2000-3000
  • Frauen senden zudem ca. 25.000 verbale und nonverbale Signale pro Tag aus, Männer hingegen nur 8000-10000
  • Bei einem Personalauswahlgespräch sind meist die ersten 10-12 Sekunden des Gesprächs entscheidend
  • Konflikte entstehen meist erst, wenn ein Problem nicht gelöst wird. Das Problem entwickelt sich zum Konflikt.
  • Es gibt 4 verschiedene Arten von Konflikten:
    1. Sachkonflikte
    2. Beziehungskonflikte
    3. Innere Konflikte
    4. Wertekonflikte
  • Beispiel: Der Einkaufschef und der QM Manager haben sich in den Haaren, da ihre Ziele kontrovers sind. Der Einkäufer soll die Einkaufspreise um 8% drücken, der QM Manager aber die Qualität um 3 Punkte steigern. Das Qualitätsbelangen des QM Managers ist dem Einkäufer egal, hauptsache er löst seine Ziele.
    Die beiden haben einen Beziehungskonflikt, der auf einem Sachkonflikt aufbaut. Meist muss man beim Beziehungskonflikt erst Toleranz schaffen (keine Akzeptanz) um den Sachkonflikt zu lösen.
  • Intervention bei Konflikten:
    1. Innere Konflikte löst man durch Entscheidungen und Konsequenzen. Bsp.: Love it, change it or leave it
    2. Sachkonflikte löst man durch Festlegen von Zahlen, Daten
      und Fakten
    3. Beziehungskonflikte werden durch Regeln gelöst. Bsp: in Gesprächen ausreden lassen, nicht zu spät kommen zu Meetings
    4. Wertekonflikte löst man durch Toleranz (keine Akzeptanz) Bsp: Leben und leben lassen, Job Rotation,..
  • Für die Konfliktparteien ist es immer von Vorteil, wenn sie bereits mit Lösungsvorschlägen zum Entscheider kommen, es festigt ihre Verhandlungsposition
  • Viele Firmen geben an, Management by Objective zu betreiben, leben es in Wirklichkeit aber gar nicht
  • Ziele sollten im Leitungszirkel erarbeitet werden und nicht Face to Face, ohne nötige Transparenz (siehe oben Beispiel Einkäufer gegen QM Manager)
  • zu 70% werden unrealistische Ziele gesetzt, um Druck auszuüben. Es werden höhere Ziele angesetzt, als man eigentlich erreichen möchte. Bei solchen unrealistischen Zielen sind Konflikte und Probleme vorprogrammiert
  • Unternehmenskultur sollte nicht nur auf dem Blatt Papier existieren, sie muss gelebt werden, vor allem von Oben nach Unten.
  • Zitat „Manche Probleme lassen sich nur biologisch lösen“
  • Viele Fragen werden heutzutage auf der falschen Ebene erörtert
  • Vielen Führungskräften fehlt die Kritikfähigkeit
  • Menschen denken, sie haben einen Beziehungskonflikt. Allerdings gehören dazu immer mindestens 2. Wenn der Beziehungskonflikt nicht kommuniziert wird, dann leiden sie an einem Inneren Konflikt
  • Wenn man 15 Jahre mit einem Problem leben kann, dann ist das „Problem“ kein wirkliches Problem
  • Redet man über Probleme, entstehen neue Probleme
  • Redet man über Lösungen, so schafft man Platz für noch mehr Lösungen
  • Vorstellung und Diskussion über die Teamentwicklungsuhr.
  • Die Nahkampfphase muss durchlebt werden. Sie nachzuholen ist meist schlecht, unproduktiv und dauert viel länger, als wenn sie von vornherein eingeplant wurde
  • Ein guter Vorgesetzter führt sein Team methodisch durch die Nahkampfphase
  • Toleranz ist ein allgemeines Problem in der deutschen Kultur
  • Der Vorgesetzte muss deshalb Toleranz vorleben
  • Konflikte lassen sich oft vermeiden, wenn man Handlungen nicht gleich wertet, sondern erstmal toleriert.

Als interessante Übung zum Thema Selbstbild/Fremdbild haben wir Formulare zur Betriebspädagogik ausgefüllt. Zuerst schätzt man sich selbst ein, und lässt dies dann andere erledigen. Das funktioniert natürlich nicht so gut, wenn man es mit dem Partner oder langjährigen Freund macht (auch wenn das zu interessanten Ergebnissen führen kann). Am besten sollte man sich nur von einigen wenigen Gesprächen kennen und den Gegenüber anhand von Gestik, Mimik, Sprache uvm. Einschätzen.

Zum Schluss gabs noch eine Empfehlung an den Caveman „Die Theateroffenbarung für alle, die eine Beziehung führen, führten oder führen wollen!“

Ich finde hier passt auch ein Zitat ganz gut, welches bei uns zu Hause an der Wand hängt:

"Gib mir Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; gib
mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich zu ändern vermag, und gib mir die
Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden." -  Friedrich Christoph Oetinger

Im Kreis von 10 Teilnehmern war dieser Workshop sehr lehrreich und interessant, und ich werde versuchen in Zukunft an mehr solchen Seminaren teilzunehmen. Vielen Dank auch an den Seminarleiter, Martin Daiber.

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